Energy

Wie die Iran-Krise die europäischen Energiepreise verändert

By

Ostrom Team

7.4.2026

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5

Min.

Auch Konflikte weit entfernt können sich auf die Stromkosten für Haushalte in Deutschland auswirken. Denn Öl- und Gasmärkte sind global vernetzt: Wenn Angebot wegfällt oder Lieferwege gestört werden, steigen zunächst die Energiepreise im Großhandel - und in der Folge oft auch die Stromkosten für Haushalte.

Kurz zusammengefasst

  1. Angebotsschock: Krieg und gestörte Lieferketten – etwa durch die Straße von Hormus – verknappen die globalen Öl- und Gasmärkte.
  2. Gas wird teurer: Da Gas auf einem globalen Markt gehandelt wird, steigen bei Angebotsschocks auch in Europa die Preise.
  3. Strom wird teurer: Da Strompreise meistens durch den Gaspreis gesetzt werden, erhöhen sich in Folge auch die Strompreise.

Was passiert ist

Ende Februar griffen die USA und Israel Ziele im Iran an. Iran reagierte militärisch. Kurz danach stieg auch das Risiko für wichtige Schifffahrtswege im Nahen Osten.

Warum das relevant ist: Die Straße von Hormus transportiert rund 25 % des weltweiten Seehandels mit Öl und 19 % des globalen LNG-Handels. Wenn ein Konflikt den Verkehr dort stört oder auch nur das Risiko einer Sperrung erhöht, reagieren die Märkte schnell und die Preise können steigen. (Quelle: IEA)

Was an den Märkten passiert ist

Der Ölpreis stieg kurz nach Beginn der Eskalation deutlich. Oft wird hier von Brent gesprochen. Brent ist eine der wichtigsten globalen Referenzgrößen für den Ölpreis.

Der TTF sprang am ersten Handelstag nach Beginn der Angriffe um rund 35 % nach oben und stieg schließlich von etwa 32 €/MWh vor dem Konflikt auf über 60 €/MWh Anfang März, während Händler knappereres Angebot und höhere Risiken einpreisten.

Für die meisten Verbraucher ist relevant statt zählt nicht der exakte Höchststand an einem einzelnen Tag, sondern der allgemeine Trend. Und dieser Trend war eindeutig: Die Ölpreise sprangen nach oben, die Gaspreise stiegen deutlich, und die Strompreise wurden volatiler.

Warum Gas den Strompreis mit nach oben ziehen kann

Strom wird in Europa nach dem Merit-Order-Prinzip bepreist. Er stammt aus verschiedenen Quellen wie Wind, Solar, Kohle und Gas, und diese werden in der Reihenfolge ihrer Kosten eingesetzt – von den günstigsten zu den teuersten. Der Preis für den gesamten Strom wird durch das teuerste Kraftwerk bestimmt, das zur Deckung der Nachfrage benötigt wird. Diesen Preis nennt man den Clearing-Preis.

Wenn in vielen Stunden ein Gaskraftwerk dieses letzte Kraftwerk ist, treibt das teure Gas den Preis für den gesamten Markt nach oben. Deshalb können auch Haushalte betroffen sein, die selbst gar nicht mit Gas heizen.

Was das für meine Rechnung bedeutet

Nicht jede Preisspitze am Großhandelsmarkt landet sofort auf jeder Stromrechnung.

  • Wer es jetzt eher merkt: Menschen, die gerade tanken, einen neuen Stromvertrag abschließen oder einen dynamischen Tarif haben.
  • Wer es später oder gar nicht merkt: Haushalte mit laufendem Festpreisvertrag. Energieversorger kaufen Strommengen zu festen Preisen vor der eigentlichen Lieferung ein, bei Festpreistarifen z. B. für die gesamte Vertragslaufzeit. Durch diesen zeitlichen Versatz zwischen Einkauf und Lieferung werden Großhandelsschwankungen erst weitergegeben, wenn der laufende Vertrag ausläuft, oder gar nicht.
  • Wichtig: Ein Großhandelspreis ist nicht dasselbe wie ein Haushaltstarif. Deine Stromrechnung enthält noch weitere Bestandteile wie Netzentgelte, Umlagen, Abgaben, Steuern sowie Servicegebühren.

In Deutschland sind Netzentgelte die Gebühren für die Nutzung und den Erhalt des Stromnetzes. Sie sind ein separater Bestandteil der Rechnung und haben nichts mit dem Großhandelspreis für Strom zu tun.

Was dynamische Tarife anders machen

Mit einem dynamischen Tarif richtet sich dein Preis nach dem EPEX Spot Day-Ahead-Markt, also den stündlichen Großhandelspreisen für morgen, statt nach einem festen kWh-Preis, der eine Risikoprämie enthält. So kannst du flexible Verbräuche wie Spülmaschine, Waschmaschine oder E-Auto-Ladung gezielt in günstigere Stunden legen und echte Einsparungen erzielen, während ein Festpreistarif die Schwankungen einfach für dich glättet.

Fazit

Die Situation zeigt, wie abhängig Europa nach wie vor von den globalen Öl- und Gasmärkten ist. Solange Gas eine zentrale Rolle bei der Strompreisbildung spielt, können globale Konflikte die Energiekosten zu Hause beeinflussen.

Die langfristige Antwort ist klar: Der Ausbau erneuerbarer Energien wie Wind und Solar kann diese Abhängigkeit verringern und die Preise stabiler machen.

Quellen